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Sonntag, 31. Mai 2009

Dragonboat Festival

Die vergangene Woche stand unter einem ganz besonderen Zeichen, und zwar dem Drachenboot-Fest 端午節 Duanwujie. Dieses Fest hat einen bedeutenden Stellenwert im chinesischen Kalender und findet jedes Jahr am 5. Tag des 5. Monats des Mondjahres statt (dieses Jahr also der 28.05.). Die Tradition geht zurück auf die Geschichte von 屈原 Qu Yuan.


Qu Yuan war ein hoher Beamter des Reiches 楚 Chu und während seiner Amtszeit war dieses Reich im Konflikt mit dem Reich 秦 Qin. Qu Yuan setzte sich nun dafür ein, sein Reich stark zu machen, um Widerstand gegen Qin leisten zu können, stieß dabei aber auf wenig Zuspruch aus seinen Reihen. Schließlich wurde er seines Amtes enthoben und in die Verbannung geschickt. In der Folge wurde das Reich Chu von den Qin erobert. Und aus Trauer über das Misstrauen ihm gegenüber und dem Untergang seines Reiches stürzte er sich am 5. Tag des 5. Mondmonats mit einem Stein in den Miluo-Fluss 汨羅江 Miluojiang. Daraufhin liefen die Bewohner des Reiches Chu zu den Ufern, suchten mit Booten nach dem Leichnam und warfen Reisklößchen ins Wasser um den Körper vor den Wassertieren zu schützen.

Das ist die Kurzfassung dieser Geschichte und daher rühren auch einige Traditionen, die jedes Jahr zu dieser Zeit aufleben, wie das Drachenbootrennen, Reisklößchen essen 粽子 Zongzi und noch ein paar weiter Bräuche wie Duftsäckchen 香包 Xiangbao nähen zur Vertreibung böser Geister und einen speziellen Wein zu trinken 雄黃酒 Xionghuangjiu. Weiters kann man man an diesem Tag um 12:00 rohe Eier aufstellen, die angeblich aufrecht stehen bleiben, man nennt das 立蛋 li dan, und zudem soll das Wasser zu dieser Zeit, also mittags, eine ganz besondere Wirkung oder besonders viel Kraft haben, man nennt das 午時水 wushishui (Mittagswasser).

Falls ihr Interesse habt, könnt ihr mal auf diesen Link gehen, der für uns als Unterrichtsmaterial dient. Auf der Navigationsleiste links könnt ihr euch über alle Bräuche im Jahresablauf "informieren", beginnend mit dem Frühlings- bzw. chinesischen Neujahrsfest 春節 Chunjie. Die Geschichte wird zwar auf Chinesisch erzählt, aber ihr könnt euch ja die Animation anschaun.
Der 4. Punkt handelt vom Drachenbootfest. Dann könnt ihr wieder unter 5 Punkten auswählen:
Der erste 端午節傳說故事 Duanwujie chuanshuo Gushi = die Legende vom Drachenbootfest - erzählt die Geschichte von Qu Yuan.
吃粽子 chi Zongzi = Reisklöße essen,
划龍舟 hua Longzhou = Drachenboot rudern,
雄黃酒 Xionghuangjiu = magischer Wein, der Menschen in ihre ursprüngliche Gestalt zurückverwandelt, und schließlich
立蛋 li Dan = Eier aufstellen.

Am Dienstag hat dazu das Language Center einen Workshop veranstaltet, wo man 粽子 Zongzi (Reisklößchen) und 香包 Xiangbao (Duftsäckchen) selber machen konnte:

Hier seht ihr die Zutaten zum Zongzi-Machen: klebriger Reis (糯米 Nuomi), Bohnen, Fleisch, speziell aufbereitetes Eigelb und vieles anderes ... Diese werden traditionellerweise in Bambusblätter gefüllt.

... Anschließend werden die gefüllten Bambusblätter aufgehängt und man muss warten, bis das ganze schön klebrig ist, so dass man, wenn man das Päckchen öffnet, einen festen Kloß vor sich hat.

Und hier seht ihr mich mit 瑪林 Malin aus Belgien (Klassenkameradin) beim Duftsäckchen-Nähen.

Falls ihr mehr über diese Bräuche oder die Legende wissen wollt, könnt ihr mir natürlich auch einen Kommentar schreiben. Freu mich immer, wenn Fragen kommen.


Am selben Tag hatte ich dann am Abend meinen großen Auftritt. Ich "durfte" im IEAS-Club mich und mein Heimatland vorstellen und bekam dafür fast eine Stunde Zeit. War anfangs etwas pessimistisch genügend Erzählstoff für 1 Stunde zu finden. Da sich aber unsere Kultur zur chinesischen Kultur zum Glück in fast allen nur möglichen Punkten unterscheidet, wurde es schließlich sogar etwas länger.
Als Dank für meine Mühen bekam ich eine Urkunde und einen Sack voll mit einer typisch taiwanesischen Mehlspeise.

Hier möchte ich euch mal meine Chinesisch-Klasse vorstellen:
Wir sind insgesamt um die 10 Schüler (aus Thailand, Südkorea, Vietnam, Belgien, Guatemala, Indonesien und natürlich Österreich) und ganz links seht ihr unsere Lehrerin Li 李老師 Li Laoshi. Und sie ist super!!! Muss auch mal gesagt werden! Laut ihr und ihren Kolleginnen sind wir sogar die beste Klasse in unserem Level.

Am Mittwoch zu Mittag hatten wir dann unser letztes Gruppentreffen von unserer Ruder-Gruppe, um alle Einzelheiten für das große Rennen zu klären, wie Sitzordnung, Trommelrhythmus und Taktik.

Am selben Tag um 18:00 fuhren wir dann gemeinsam mit einem extra gemieteten Bus nach Anping, wo das Rennen stattfinden sollte. Das Ganze lief folgendermaßen ab: Erstens gab es eine eigene Ausländer-Kategorie, somit mussten wir (zum Glück) nicht gegen die Taiwanesen antreten. Für unsere Kategorie gab es in der 1. Runde zwei Rennen mit jeweils 3 Teams gleichzeitig. Die jeweils Erstplatzierten und die zweitplatzierte Gruppe mit der schnelleren Zeit durfte aufsteigen in die 2. Runde am Donnerstag.

Und eigentlich hatte ich mir für unsere Gruppe gute Aufstiegschancen ausgerechnet. Der fatale Fehler war allerdings, dass unser Team-Leader die Sitzordnung gegenüber dem Training geändert hatte und mich zwecks Gewichtsumverteilung von der ersten in die vorletzte Reihe platziert hat. Somit war ich nicht mehr dafür verantwortlich, den Takt für meine Hintermänner vorzugeben (was ich eigentlich gut gemacht hatte, ehrlich jetzt!!!!). Und das Problem war dann, dass die Ruderin vor mir leider absolut kein Gefühl für den Trommeltakt hatte und somit total anders ruderte, weshalb unsere Paddel von Zeit zu Zeit kollidierten. Resultat: wir wurden in unserem Rennen Zweiter und schließlich stellte sich heraus, dass wir um ca 3 Sekunden langsamer waren als die anderen Zweitplatzierten. War darüber dann auch wirklich etwas frustriert, aber alles in allem war es trotzdem ein aufregendes Erlebnis und ein tolles Gefühl bei sowas mal dabei gewesen zu sein.


Die ganz am Schluss im Video waren übrigens die Drittplatzierten und wiiiirklich langsam *hihi*. Achja, an dieser Stelle besondere Anerkennung für Sarah, die sich extra zum Anfeuern (加油 jiayou = heißt sowas wie "Gib Gas!") die Mühe gemacht hat, mit ihren Krücken nach Anping zu kommen und die auch dieses Video aufgenommen hat.

Somit hatten wir von Donnerstag bis Sonntag wegen des Feiertages frei und ein verlängertes Wochenende. Aus Frustration über den Ausgang des Rennens blieb ich diesmal aber daheim in Tainan und verbrachte die Zeit damit, Zongzi zu essen, Zimmer aufzuräumen, auszuschlafen, mit Freunden Zeit zu verbringen und Informationen für die nahenden Sommerferien zu suchen. Eine Sache, die mir im Moment noch etwas Bauchschmerzen bereitet, weil alles noch ziemlich ungewiss ist und ich noch keinen konkreten Plan haben. Hab übrigens am Donnerstag vom Tim gelernt, wie man 麻將 Majiang (= Mahjongg, sehr traditionell chinesisches Brettspiel) und 圍棋 Weiqi (= Go, japan. Brettspiel) spielt.

Und hier noch ein Foto ... Könnt ihr euch denken, warum ich diese Weste tragen musste?
In Taiwan gibt es ja strikt getrennte Mädchen- und Jungen-Dormitories. Und wenn man doch mal einen wichtigen Grund hat, ein Mädchen zu besuchen, muss man sich vom Portier diese Weste geben lassen und nur damit darf man im Dormitory herumlaufen. Allerdings im Falle vom Ching-San-Dorm auch nur bis 16:30, danach sind gar keine Jungs mehr erlaubt. Bei unserem Dormitory (Ching-Yi) brauchen weibliche Besucher keine Weste zu tragen, müssen aber (prinzipiell) auch spätestens um 23:00 das Gebäude verlassen. Kontrolliert wird das bei den Jungs-Dormitories allerdings nicht wirklich :-)

2 Kommentare:

  1. Haha, des is ja geil mit de Westen. Wie wennst voi der potenzielle Gefahrentäter wärst (naja, bist in an gewissen Sinne ja a ...).
    Was steht denn auf der Weste oben? Sicher sowas wie "böser Junge" ;D

    Saludos de Barcelona (qué calor está aquí!!)

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  2. Holaaa! Bist schon gut angekommen in Barca hab ich gelesen! Und hast sogar schon Internet? Net schlecht!

    Ne, auf der Weste steht schlicht und einfach 成大 Cheng Da, also kurz für 成功大學 Cheng Gong Daxue = National Cheng Kung University. Das Dormitory gehört ja zum Campus.

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